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Illustriertes Amtsblatt Oktober 2006
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Interview mit André Hieronymus (Zauberer und Ungeheuer vom Dienst) |
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Der schroffe Preuße mit dem Hang zum militärischen Drill kann auch seine andere Seite offenbaren – die des „lieben Zauberers für den Kindergeburtstag“. Unglaublich was sich da alles in ein und derselben Person verbirgt: Vom furchteinflößenden Pudding schlabbernden Ungeheuer bis zum vermeintlichen harmlosen Enten - Dompteur! Wir haben die letzten milden Herbstsonnenstrahlen genutzt und mit Herrn Hieronymus ein Vier–Augen–Gespräch geführt.
Wie hat es Sie in die Schweiz, ins Broadway-Varieté verschlagen? Im Nov.-Dez.2004 hatte ich ein Engagement in Basel. Da habe ich Jrma und David kennen gelernt. Wir blieben im Kontakt und Sie luden mich ins „Broadway“ ein, im Sommer 2005 war ich dann in einer Vorstellung auf dem Sonnenberg in Kriens und ich dachte; „das musst du mal probieren“. |
Wenn man Sie so auf der Bühne sieht, drängt sich die Frage auf: „Ist der privat wohl auch derart staubtrocken“? Soll ich jetzt sagen, dass ich mich selber lustig finde? Glaube, dass ich eher ein ruhiger Typ bin, mit einem dunklen Humor (Mensch, was bin ich schon in Fettnäpfchen getreten!).
Ihre Rolle als Ungeheuer zeigt stellenweise Parallelen zu dem bekanntesten Monster der Filmwelt: King Kong. War er Vorbild zu Ihrer Figur des Ungeheuers?
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Nicht bewusst, ich lasse hier eher meinem animalischen Urinstinkt freien Lauf. Die Figur entstand im Sommer 2004 als ich in einer theatralischen Varietéshow den Erzähler als halb Mensch halb Motte spielte (Apollofalter – Flügel verklebt, konnte nicht fliegen, stinksauer). Während der Proben beim „Broadway“ strickten wir daraus die Figur des Theatermonsters.
Bei der Puddingstory hatte ich 2 Geschichten im Hinterkopf. Die eine ist eine Begebenheit aus meiner Kindheit und meine Oma hat mir die Geschichte so oft erzählt, dass ich glaube mich erinnern zu können. Im zarten Alter von 2 Jahren lief ich von zuhause weg. Die Polizei fuhr schon 2 Stunden in der ganzen Gegend Streife, um mich zu suchen. Alle waren aufs Höchste alarmiert und außer sich vor Sorge um den kleinen Ausreißer. Da stand ich plötzlich vor der Tür und sagte: „Andy Hunger!“. |
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Die zweite Geschichte erlebte ich Anfang der Neunziger. Ich hatte mehrere Engagements im größten Berliner Irrenhaus. Wirklich! Es war ein Projekt, um geistig stark Behinderte an Kultur heranzuführen. War gar nicht so einfach wieder raus zu kommen, habe Jahre dazu gebraucht (Stimmt nicht, - wohne immer noch da.)
Dort jedenfalls beobachtete ich folgende Szene: Ein Riesenkerl saß mit geballten Fäusten und Löffel an einem sehr massiven Tisch. Plötzlich trommelt er mit voller Kraft mit seinen Fäusten auf den Tisch. Ich sah den Tisch schon in tausend Teile zersplittern. Er schrie wie am Spieß: „Ich will meinen Pudding, ich will meinen Pudding, ich will…“ bis eine eher zarte Schwester mit einer Schüssel Pudding kam und ihm diese, ohne irgendwie Angst zu zeigen, unterschob. Er löffelte den Pudding und strahlte übers ganze Gesicht.
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Hieronymus ist die mit Abstand am schlechtesten gelaunte Figur seit Bestehen dieses Tingel-Tangel Etablissements. Wie verkraften Sie das persönlich? Was macht man nicht alles, um sich von dem Einerlei abzuheben. Nein ich leide nicht, ich habe Spaß dabei(Sieht man dass nicht?) und ich finde es gehört sehr viel Gefühl dazu so eine Rolle zu spielen. Welches sind ihre beruflichen Pläne für die nahe Zukunft? Erst mal nach Hause. Ich bin ja schon seit Okt.2005 unterwegs. Im Winter werde ich jeden Monat 1 Woche im Quatsch – Comedy – Club (Berlin und Hamburg) zu sehen sein, ansonsten Tagesengagements. Dann wieder Broadway–Varieté, da muss ich noch was tun, ich kann nächstes Jahr nicht noch mal denselben Mist bringen. Für 2008 + 2009 liegen schon einige Verträge für etablierte deutsche Varietés vor.
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Eine etwas indiskrete Frage. Ich nehme an, dass sich die Zahl Ihrer weiblichen Fans eher im überschaubaren Rahmen bewegt. Schmerzt Sie das? Ab und zu bekomme ich schon mal Fanpost. Ich habe sogar einen Groupie. Sie ist 20 Jahre jünger als ich und kommt mich bei jedem längerem Engagement besuchen, leider immer mit Freund. Sie kommt ja auch aus Fulda, der Stadt wo sie katholischer sind als der Papst.
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Was mich abschließend noch brennend interessiert. Sind Sie und die Tigerente Toni wirklich Jugendfreunde? Toni und ich kennen sich schon seit Ende der Sechziger, damals gehörte er einem Freund meines Vaters, der Amateurzauberer war und dessen Shows ich als Kind oft sah. Mitte der Siebziger verbot man ihm als Offizier der NVA(DDR-Armee) öffentliche Auftritte(seine Vorgesetzten meinten, es schade dem Ansehen der NVA, wenn ein Offizier sich zum Gaukler macht). So packte er seinen gesamten Zauberkram in eine leere Munitionskiste und verstaute diese auf seinem Estrich. Im Jahr 2000 schenkte er mir diese Kiste. Das war vielleicht aufregend! - all die Sachen, die ich als Kind so bewunderte, nach 25 Jahren des Unberührtseins auszupacken. Und – zuoberst lag Toni!
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Eine wirklich bewegende Geschichte! Herr Hieronymus wir bedanken uns für das Gespräch!
Daniela Baumann
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